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Versteinerte Pflanzen

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Großbritannien, Grafschaft Kent, Isle of Sheppey

Kliff am Warden Point mit Blick in westliche Richtung

An der Südseite des Themse-Ästuars, etwa 60 bis 70 km östlich von London liegt die rund 94 km2 Fläche umfassende Isle of Sheppey. An den Kliffs auf der Nordseite der Insel sind vom Warden Point bis zum Paddy's Point Sedimente der untereozänen London Clay Formation aufgeschlossen, die von der mitteleozänen Virginia Water Formation (Lower Bagshot Beds) und pleistozänen Sedimenten überlagert wird.

 

Kliff-Fuß unterhalb des Warden Points bei Niedrigwasser Aufgeschlossenes Profil des London Clay auf der Schorre unterhalb des Warden Point

Stratigrafie

  • Virginia Water Formation der Bracklesham Group (Mittel-Eozän)
  • London Clay Formation (Unter-Eozän; Ypres)
  • Woolwich Formation/Oldhaven Formation (Paläozän)

System Serie Stufe Alter  
Pleistozän 0,01 - 1,8  
Neogen Pliozän Gelasium 1,8 - 2,6  
Piacenzium 2,6 - 3,6  
Zancleum 3,6 - 5,3  
Miozän Messinium 5,3 - 7,2  
Tortonium 7,2 - 11,6  
Serravallium 11,6 - 13,6  
Langhium 13,6 - 16,0  
Burdigal 16,0 - 20,4  
Aquitan 20,4 - 23,0  
Paläogen Oligozän Chatt 23,0 - 28,4  
Rupel 28,4 - 33,9  
Eozän Priabon 33,9 - 37,2  
Barton 37,2 - 40,4  
Lutet 40,4 - 48,6  
Ypres 48,6 - 55,8 London Clay
Paläozän Thanet 55,8 - 58,7  
Seeland 58,7 - 61,7  
Dan 61,7 - 65,5  
Kreide Oberkreide Maastricht 65,5 - 70,6  

Lithologie

Der London Clay wurde in einem sauerstoffreichen, niedrigenergetischen Schelfbereich in Wassertiefen zwischen 20 m - 100 m abgelagert (King, 1984). Dieses vom späten Paläozän bis ins untere Oligozän aktive Becken wird durch eine Schwelle in das Londoner und das Hampshire-Becken getrennt. In diesem Becken sind über einen Zeitraum von rund 25 Mill. Jahren fein- bis grobklastische, flachmarine, Brackwasser-, Süßwasser- bis subaerische Sedimente abgelagert worden. Durch das häufige Vorkommen von Pflanzenresten wird ein nahes Flussästuar von einem Festland mit tropisch-subtropischen Vegetationsverhältnissen angezeigt.

In den siltigen z.T. sandigen London Clay sind harte, kalkige "cement-stone-bands" eingeschaltet, die vom Kliff aus als langgestreckte, algenbewachsene Härtlinge erkennbar sind. King (1984) hält zwischen Warden Point und Paddy's Point im Westen insgesamt 10 "cement-stone-bands" aus.

Reste tropisch-subtropischer Vegetation

Im Brandungsbereich auf der Schorre finden sich sehr häufig kleine Invertebratenreste, Haizähne, Knochenfragmente und kleine, pyritisierte Pflanzenreste (kleinste Achsen und Samen/Früchte).

Kleinere, pyritisierte Achsen; isolierte Funde im Brandungsbereich

Kleinere, pyritisierte Achsen; isolierte Funde im Brandungsbereich

Karbonat-Tonkonkretionen (Septarienknollen) unterschiedlicher Dimensionen finden sich 50 m bis 80 m vom Kliff entfernt, im Bereich, in dem sich die Wellen auf der Schorre brechen. Diese Septarienknollen enthalten z.B. größere Vertebratenreste, Krabben und auch fossile Hölzer. Fossile Hölzer sind häufig phosphatisiert, z.T. karbonatisiert und pyritisiert. Kennzeichnend für die fossilen Hölzer sind Teredo-Bohrgänge, die mit gelblichem bis bräunlichem Calcit/Aragonit oder auch Ton/Silt ganz oder teilweise ausgefüllt sind. Die fossilen Hölzer selbst sind hell- bis dunkelbraun und z.T. schwarz gefärbt. Es handelt sich um Drifthölzer, die in diesen flachmarinen Sedimentationsraum des London Clay verfrachtet wurden.

Unbestimmte Dikotyledonen-Hölzer mit Teredo-Bohrgängen

Unbestimmte Dikotyledonen-Hölzer mit Teredo-Bohrgängen

Details der unbearbeiteten Oberflächen mit Teredo-Bohrgängen

Durch den Verfasser sind überwiegend Angiospermenhölzer (Dicotyledonae) mit guter Gewebeerhaltung geborgen worden. Um welche Taxa es sich dabei handelt, muss durch holzanatomische Detailuntersuchungen geklärt werden.

Poole, et al. (2002) haben kleine, pyritisierte Achsen ("twigs") aus dem London Clay als Platanus-Hölzer bestimmt.

Details der Gewebeerhaltung der Dikotyledonen-Hölzer und der Teredo-Bohrgänge

Details der Gewebeerhaltung der Dikotyledonen-Hölzer und der Teredo-Bohrgänge

Folgende Pflanzenreste (Samen/Früchte) sind aus dem London Clay beschrieben (Auszug):

  • Nipa burtini (Bowerbank),
  • Hightea turgida (Bowerbank),
  • Iodes corniculata (Reid & Chandler)
  • Magnolia lobata (Bowerbank),
  • Araucarites sp.
  • Anonaspermum rotundatum (Reid & Chandler),
  • Wetherellia variobilis (Bowerbank),
  • Cinnamomum globulare (Reid & Chandler),
  • Platycarya richardsonii (Bowerbank),
  • Oncoba variabilis (Bowerbank).

Hinweise für Fundstellenbesuche

Chancen für Fossilfunde besten an der gesamten Nordküste der Isle of Sheppey zwischen Warden Point und Paddy's Point, insbesondere nach Herbst-/ Frühjahrsstürmen bei starkem Niedrigwasser. Feste Stiefel sind unverzichtbar, da man sich auf der Schorre durch bis zu knietiefen Schlamm vorarbeiten muss, um nach Septarienknollen oder auch isolierten Fragmenten fossiler Hölzer zu suchen.

An den Kliffs sollte man unbedingt auf offiziellen Wegen herabsteigen, da die Kliffs sehr instabil sind und größere Abbrüche möglich sind.

Literatur

Bowerbank, J. (1840): On the mode of procuring the London Clay Fossils at the Isle of Sheppey. Magazine of Natural History NS 4: 205-206.

King, C. (1984): The stratigraphy of the London Clay Formation and Virginia Water Formation in the coastal sections of the Isle of Sheppey (Kent, England) Tertiary Research, 5 (3): 121-160.

Poole, I., Davis, K. L., Wilkinson, H. P. (2002): A review of the platanaceous woods from the Eocene paratropical rainforest of south-east England. Botanical Journal of the Linnean Society, 139, 181-191.

 

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