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Versteinerte Pflanzen

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Großbritannien, Schottland, Aberdeenshire, Rhynie

In der Grafschaft Aberdeenshire/Schottland, in der Nähe des Dorfes Rhynie, liegt die berühmte Fundstelle unterdevonischer Floren, der sogenannte Rhynie-Chert. Erstmals beschrieben wurde die Fundstelle und dort geborgene Florenreste durch die Paläontologen Kidston und Lang in mehreren Publikationen zwischen 1917 und 1921.

Das Alter der Rhynie-Flora wird in der Literatur mit oberem Unterdevon (Pragium bis unterstes Emsium) angegeben. Die Entstehung der Cherts ist an siliziumreiche Thermalwässer gebunden, die das komplette unterdevonische Ökosystem in situ, d.h., in Lebendstellung sehr schnell konservierten.

System Serie Stufe Alter  
Karbon Unterkarbon Tournaisium 359-345  
Devon Oberdevon Famennium 374-359  
Frasnium 385-374  
Mitteldevon Givetium 392-385  
Eifelium 397-392  
Unterdevon Emsium 407-397 Rhynie-Flora
Pragium 411-407  
Lochkovium 416-411  
Silur Pridolium 419-416  

Die Fundstelle liegt zwischen dem nördliche Rand des Dorfes und dem markanten Berg "Tap o'Noth" mit dem Stone Circle auf dem Gipfel. Vor wenigen Jahren ist durch wissenschaftliche Grabungen bei Windyfield ein zweites Chertvorkommen entdeckt worden.

Blick über Rhynie zum markanten Tap o'Noth und zur Siedlung Windyfield

Besucht man die zwischen dem Dorf Rhynie und der nordwestlich gelegenen Siedlung Windyfield gelegenen Fundstelle, so steht man auf einer grünen Rinderweide, die kaum Fundchancen bietet.

Anfang Mai 2011 legte jedoch ein frischer Bachanschnitt mehrere Chertbrocken frei, die hervorragend erhaltene Pflanzenachsen enthielten.

Suche nach Chertbrocken in einem Bachbett Die Rinderweide im Bereich der Fundstelle bietet kaum Fundchancen

Ein hervorragend erhaltenes, unterdevonisches Ökosystem

Aus dem Rhynie-Chert sind neben einer Vielzahl an Mikrofossilien auch zahlreiche, sehr gut erhaltende Makroreste von Pilzen, Moosen, Algen, Sporophyten und Gametophyten und auch Faunenreste, wie Trigonotarbida, beschrieben worden. Am bekanntesten sind die Sporophyten

  • Aglaophyton major,
  • Asteroxylon mackiei,
  • Horneophyton lignieri,
  • Rhynia gwynne-vaughanii.

Diese 4 Arten sind in mehreren Publikationen durch Kidston & Lang zwischen 1917 und 1921 erstmals beschrieben worden.

  • Nothia aphylla (Erstbeschreibung durch LYON, 1964),
  • Trichopherophyton teuchansii (Erstbeschreibung durch LYON & EDWARDS, 1991).

Die Art Ventarura lyonii wurde im nahe gelegenen, zweiten Chertvorkommen, dem Windyfield-Chert, geborgen und durch POWELL et al. (2000) erstmals beschrieben.

Diese frühen Landpflanzen waren sämtlich sehr klein, zwischen 10 und 40 cm hoch. Bis auf Asteroxylon mackiei waren alle Pflanzen blattlos. Die Achsen von Aglaophyton major, der häufigsten der Rhyniophyten, waren max. 6 mm stark, gewunden und lose auf dem Substrat liegend (funktionierten als Rhizome), periodisch aufwärts gerichtet, mit terminalem Sporangium, das trilete Sporen enthielt.

Chertbrocken mit zahlreichen Achsen von Aglaophyton major im Anschliff Chertbrocken mit Substrat und einigen Achsen von Aglaophyton major Chertbrocken im Anschnitt; unten Substrat; Achsen von Aglaophyton major
Detail mit zahlreichen Achsen von Aglaophyton major Rhynie-Chert im Anschliff mit zahlreichen Achsen von Aglaophyton major Detail eines Cherts mit zahlreichen Achsen von Aglaophyton major

Dieses unterdevonische Ökosystem ist so detailliert überliefert, dass selbst Interaktionen, wie Symbiosen, Parasitismus und auch abiotische Faktoren rekonstruiert werden können.

Angeschnittene Achsen von Aglaophyton major Achse von Aglaophyton major mit Astspuren? Achsen von Aglaophyton major im Querschnitt
Achsen von Aglaophyton major im Querschnitt Mehrere Achsen von Aglaophyton major im Querschnitt

Weiterführende Links

Rhynie-Webseite der Universität Aberdeen:
http://www.abdn.ac.uk/rhynie/intro.htm

Rhynie-Webseite der Universität Münster:
http://www.uni-muenster.de/GeoPalaeontologie/Palaeo/Palbot/erhynie.html

Webseite von Hans Steur/Niederlande:
http://steurh.home.xs4all.nl/engrhyn/erhynie.html#Rhynia

 

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