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Marokko, Provinz Meknès-Tafilalet, Westrand des Hamada du Guir

Im äußersten Osten der Provinz Meknès-Tafilalet, unweit der algerischen Grenze, sind am westlichen Rand des Hamada du Guir, mittel- bis oberkretazische, fossilführende Klastika aufgeschlossen, die das paläozoische Basement überlagern. Die genannten, fossilführenden Klastika werden in östliche Richtung von mächtigen, oberkretazischen bis neogenen Sedimenten überlagert.

Die folgende Beschreibung basiert auf Beobachtungen während einer eigenen Grabungstour in der Region im November 2013.

Kretazische Floren- und Faunenreste

Der westliche, etwa 200 m aufragende  Rand des Hamada du Guir ist von zahlreichen, tiefen Erosionsrinnen durchzogen, so dass mittel- bis oberkretazische Klastika ("Facies detritic rouge") in zahlreichen Profilen hervorragend aufgeschlossen sind.

Blick auf den westlichen Abhang des Hamada du Guir mit dem kretazischen Profil

Zahlreiche Grabungsstellen (Pfeile) nach Vertrebratenfossilien und Kieselhölzern an der Basis des Hamada du Guir

Die aufgeschlossenen, kretazischen Serien gliedern sich im genannten Gebiet wie folgt in 3 Formationen (Cavin, et al. 2010):

  • Ifezouane Formation (Albium): kontinentale, rötliche Klastika (Sande, Kiese), Vertebratenreste und fossile Hölzer
  • Aoufous Formation (Albium - Cenomanium): feinklastische Deltasedimente (Sande, Tone, grünliche Mergel),
  • Akrabou Formation (Turonium): marine Kalke und Kalkmergel.
System Serie Stufe Alter  
Paläogen Paläozän Danium 61,7 - 65,5  
Kreide Oberkreide Maastrichtium 65,5 - 70,6  
Campanium 70,6 - 83,5  
Santonium 83,5 - 85,8  
Coniacium 85,8 - 89,3  
Turonium 89,3 - 93,5 Akrabou Formation
Cenoman 93,5 - 99,6 Aoufous Formation
Unterkreide Albium 99,6 - 112 Ifezouane Formation
Aptium 112 - 125  
Barrêmium 125 - 130  
Hauterivium 130 - 136  
Valanginium 136 - 140  
Berriasium 140 - 145  
Jura Oberjura Tithonium 145 - 151  

Die genannten, drei Formationen werden häufig unter dem Namen "Kem Kem Beds" zusammen gefasst, die sich in Südostmarokko von der algerischen Grenze südlich Taouz bis rund 250 km nördlich von Erfoud erstrecken.

Etwa 8 m hohes Profil des obersten Teils der Ifezouane Formation (Albium)

An der Basis eines etwa 8 m hohen Profils, das den oberen Teil der Ifezouane Formation (Albium) repräsentiert, stehen hellbräunliche, hellrötliche bis gelbliche, fluviatile Silt- bis Feinsandsteine an, die reichlich Vertebratenreste enthalten. Erwähnenswert sind unsere Funde von Zähnen des Elasmobranchiers (Plattenkiemers) Onchopristis sp., die die o.g. Alterseinstufung ermöglichen (Cavin & Dutheil, 1999; Martill & Ibrahim, 2012). Die 20 cm bis 40 cm mächtige, fossilführende Schicht lässt sich auf rund 40 m Länge verfolgen, da Einheimische hier an mehreren Stellen in der Böschung nach den beschriebenen Fossilien gegraben haben. In der Literatur (z.B. Cavin et al., 2010) sind aus den "Kem Kem Beds" zahlreiche Faunenreste (Schildkröten, Schlangen, Dinosaurier, Krokodile, Pterosaurier, etc.) beschrieben worden.

Geborgene Zähne von Onchopristis sp., eines sclerorhynchiden Sägefisches Geborgene Zähne von Onchopristis sp., eines sclerorhynchiden Sägefisches#

Fundhorizont der Vertebratenreste an der Basis des beschrieben Profils Fundhorizont der Vertebratenreste an der Basis des beschrieben Profils

Die darüber folgenden, rötlichen, etwa 6 m mächtigen Feinsandsteine enthalten keine Makrofossilien. Den Top bilden rotbraune, kiesige Sandsteine, die scharfkantige, maximal kopfgroße Kalk-Brekzien und ±horizontal lagernde Kieselhölzer enthalten.

Oberster Teil des beschriebenen Profils; Grobklastika, die die Florenreste enthalten Alter, lang gezogener Schurf; hier wurde ein Kieselholzstamm geborgen

Mineralisierte Kieselhölzer

Anhand von Grabungsspuren (bis 20 m lange und bis 1,5 m tiefe Gräben) müssen Kieselholzstämme beachtlicher Dimensionen vorgekommen sein. Selbst haben wir max. 0,7 m bis 1,0 m lange Segmente größerer Kieselhölzer geborgen. Überwiegend kommen Stücke von 10 cm bis 40 cm Länge vor. Kieselhölzer besitzen bräunliche, rötliche und gelbliche Farbtöne. Sehr häufig sind Mineralisierungen mit weißem, hellbläulichem und gelblichem Calcit und mit hellgrünlichem Prehnit. Risse in einem etwa 0,7 m langen Kieselholz sind mit bis zu 2 cm großen Calcit-Kristallen ausgekleidet.

Kieselhölzer auf der Wüstenoberfläche

Kieselhölzer, die aus dem obersten Teil des beschriebenen Profils geborgen wurden, besitzen sehr feste Krusten aus eisenzementiertem Sandstein und/oder kugelige Sandstein-Anhaftungen bzw. sind mit Kalkgeröllen sehr fest verkittet.

Kieselholz mit fest verkittetem Kalkgeröll

Kieselholz mit fester eisenzementierter Sandsteinkruste und fest haftenden "Sandsteinkügelchen"

Kieselholz mit fester eisenzementierter Sandsteinkruste und fest haftenden "Sandsteinkügelchen"

Kieselholz mit fester, eisenzementierter Sandsteinkruste

Anschnitt des Kieselholzes aus der Abbildung zuvor Längsbruch eines kleineren fossilen Holzes; braune "Xylemfetzen" in hellem Calcit

Durch die Mineralisierungen ist die Gewebeerhaltung der Florenreste schlecht. In weißem Calcit sind z.T. nur wenige Xylemfetzen zu erkennen. Dies erschwert die taxonomische Einordnung der fossilen Hölzer. Längere Stammsegmente weisen Astknoten auf. Stammbasen mit ansitzenden Wurzeln haben wir nicht beobachtet. Einzelne Fundstücke sind intensiv von Bohr- oder Fraßgängen durchzogen. Alles deutet darauf hin, dass die Florenreste und die einbettenden Grobklastika umgelagert sind.

Größeres Kieselholz (Länge 60 cm) mit zahlreichen Bohr- oder Fraßgängen Risse in einem 0,7 m langen Kieselholz mit Calcit-Kristallen ausgekleidet

Anhand oben beschriebener Vertebratenreste lassen sich die fossilen Hölzer der Ifezouane Formation (Albium) zuordnen.

Ammoniten aus der Akrabou-Formation

Aus den Kalkmergeln der marinen Akrabou-Formation (oberstes Cenoman bis Turon) stammen z.B. aus der Umgebung des Dorfes Asfla, nördlich Goulmima, Ammoniten-Funde der Art Mammites nodosoides (Schlüter 1871).

Ammonit der Art Mammites nodosoides aus Kalkmergeln bei Asfla; Durchmesser 17 cm

Literatur

Cavin, L. & Dutheil, D.B. (1999): Cenomanian ichthyofauna from southeastern Morocco and its relationship with other early Late Cretaceous Moroccan faunas. Geologie en Mijnbouw 78: 261 - 266.

Cavin, L. et al. (2010): Vertebrate assemblages from the early Late Cretaceous of southeastern Morocco: An overview. Journal of African Earth Sciences, 57: 391 - 412.

Martill, D.M. & Ibrahim, N. (2012): Aberrant rostral teeth of the sawfish Onchopristis numidus from the Kem Kem beds (?early Late Cretaceous) of Morocco and a reappraisal of Onchopristis in New Zealand. Journal of African Earth Sciences, 64: 71-76.

 

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