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Versteinerte Pflanzen

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USA, Bundesstaat Wyoming, Eden Valley, Blue Forest

Mitteleozäne Green River Formation

Im Dreiländereck der US-Bundesstaaten Utah, Colorado und Wyoming liegt auf rund 65.000 km² das Verbreitungsgebiet der mitteleozänen Green-River Formation, bezeichnet nach dem gleichnamigen Fluss. Weltbekannt sind die hellbeigen bis hellbraunen Kalkmergel, die eine vielfältige und hervorragend erhaltene Vertebratenfauna (Alligatoren, subtropische Fischfauna) lieferten. Am bekanntesten ist Knightia eocaena, ein heringsähnlicher Fisch, von dem auf einigen Kalkmergelplatten über 100 Exemplare gefunden wurden. Als Lebensraum der Flora und Fauna wurden 3 flache Seen rekonstruiert, die im mittleren Paläogen in intramontanen Becken der sich auffaltenden Rocky Mountains gelegen haben.

System Serie Stufe Alter  
Pleistozän 0,01 - 1,8  
Neogen Pliozän Gelasium 1,8 - 2,6  
Piacenzium 2,6 - 3,6  
Zancleum 3,6 - 5,3  
Miozän Messinium 5,3 - 7,2  
Tortonium 7,2 - 11,6  
Serravallium 11,6 - 13,6  
Langhium 13,6 - 16,0  
Burdigal 16,0 - 20,4  
Aquitan 20,4 - 23,0  
Paläogen Oligozän Chatt 23,0 - 28,4  
Rupel 28,4 - 33,9  
Eozän Priabon 33,9 - 37,2  
Barton 37,2 - 40,4  
Lutet 40,4 - 48,6 Green River Formation
Ypres 48,6 - 55,8  
Paläozän Thanet 55,8 - 58,7  
Seeland 58,7 - 61,7  
Dan 61,7 - 65,5  
Kreide Oberkreide Maastricht 65,5 - 70,6  

 

Fossile Hölzer aus dem mittleren Eozän

Altersgleich mit der beschriebenen Fauna sind die Vorkommen von silifizierten Hölzern im Südwesten von Wyoming, im so genannten Eden-Valley, das sich um die Städtchen Farson und Eden erstreckt. Im Eden-Valley lassen sich 3 Vorkommen fossiler Hölzer unterscheiden:

  • Big Sandy Reservoir im zentralen Teil,
  • Oregon Buttes im Osten,
  • „Blue Forest“ am Westrand des Eden Valley.
Blick über den Westteil des kargen Eden Valley bei Fontenelle Eine frische Grabung im Blue Forest; April 2011

Die wissenschaftlich beschriebenen Taxa fossiler Hölzer lassen sich 3 verschiedenen Lebensräumen zuordnen:

  • Uferbereiche von Seen/Schwemmland/Überflutungsebenen,
  • trockene, höher gelegene Abhänge,
  • Hochebenen.

„Blue Forest“ – Kieselhölzer mit blauem Calcedon

Beim so genannten „Blue Forest“ im Sweetwater County handelt es sich um einen echten versteinerten Wald, denn größere Stämme werden aufrecht stehend, mit Wurzelwerk im Untergrund verankert, in kalkig/tuffitischen Schichten gefunden. Die folgenden Fotos der Ausgrabungen stelle mir freundlicherweise Michael John Kolesar, Fargo/North Dakota zur Verfügung. Er ist Vorsitzender des Lake Agassiz Rock Club und besitzt eine Grabungslizenz für den Blue Forest.

Frei gegrabener, aufrecht stehender Kieselholzstamm mit teilweise entferntem Algenmantel Unbestimmtes Angiospermenholz; Stammbasis mit ansitzenden, silifizierten Wurzeln; es handelt sich um das geborgene Stück aus der Abbildung zuvor
Frei gegrabener Kieselholzstamm in aufrechter Wuchsposition; der Algenmantel wurde überwiegend entfernt Michael John Kolesar, Fargo North Dakota beim Begutachten des Grabungserfolgs

Kennzeichnend für fossile Hölzer aus dem Blue Forest ist, dass in diesen häufig blauer Calcedon/Achate enthalten ist und dass diese von konzentrischen Kalkmänteln umschlossen sind, die von kalkabscheidenden Algen gebildet wurden.

Achse des Farnes Acrostichum hesperium mit Algenmantel Detail der Farnstele von Acrostichum hesperium
Querschnitt eines Wedelstieles von Acrostichum hesperium Achse von Acrostichum hesperium

Als Lebensraum für die subtropischen Gewächse kann der Uferbereich eines flachen Sees, in dem ein starkes Wachstum kalkbildender Algen herrschte, angenommen werden:

  • Bäume kamen in Wuchsposition unter subaquatische Bedingungen,
  • wurden sehr rasch von kalkbildenden Algen konzentrisch umwachsen,
  • Hölzer trockneten und schrumpften innerhalb der Kalkmäntel,
  • tuffitreiche Schlämme wurden in die Seen gespült und füllten diese auf,
  • zirkulierende, kieselsäurereiche Wässer infiltrierten die Gebilde, füllten Schrumpfungsrisse mit Calcedon aus und silifizierten die Hölzer mit den Kalkmänteln.

Unter den silifizierten Hölzern sind am häufigsten Angiospermen (Monocotyle und Dicotyle), seltener Gymnospermen und als Seltenheiten Farne (z.B. Acrostichum hesperium) und Equiseten.

Unbestimmtes Angiospermenholz mit Algenmantel und Bohr- oder Insektenfraßgängen und Ostracodenschalen in klarem Calcedon Detail eines Bohr oder Fraßganges aus der Abbildung zuvor Detail mit calcedongefüllten Schrumpfungsrissen
Unbestimmtes Angiospermenholz; Stammsegment mit Rinde und Algenmantel Detail mit undeutlichen Zuwachszonen Querschnitt des Angiospermenholzes im mikroskopischen Bild
Unbestimmtes Angiospermenholz (Durchmesser 12 cm) mit 8 bis 10 mm starker Rinde ; Blue Forest bei Fontenelle Lauraceenholz im Querschnitt ohne Algenmantel aus dem Blue Forest
Kleine Angiospermenachse im Querschnitt mit Algenmantel; Blue Forest Rückseite der Laubholzachse aus der Abbildung zuvor im mikroskopischen Bild Dünnschliff des Kieselholzes aus der Abbildung zuvor; Bildbreite 5 mm

An einzelnen Stücken ist der Befall mit holzzerstörenden Organismen an Bohr- oder Fraßgängen zu erkennen. In sehr klarem Calcedon, der Schrumpfungszonen in Kieselhölzern ausfüllt, finden sich gelegentlich Ostracoden-Schalen (Kalkschalen von Muschelkrebsen).

Querschnitt von Palmoxylon sp. mit dünnem Algenmantel aus dem Blue Forest Leitbündel von Palmoxylon sp. mit 0,7 bis 1,0 mm Durchmesser in großzelligem Grundgewebe

Ein fast ausgebeutetes Vorkommen

Ein einheimischer Sammler berichtete mir, dass fossile Hölzer auf dem Gebiet des Blue Forest auf ca. 70% seiner Fläche bereits ausgebeutet sind und das es von Seiten der Behörden Überlegungen gibt, das Gebiet unter Schutz zu stellen. Graben ist im Blue Forest ohnehin nur mit staatlicher Lizenz, die auch eine Mengenbegrenzung beinhaltet, erlaubt.

Literatur

SANBORN, A.F., GOODWIN, J.C. (1965): Green River Formation at Raven Ridge, Uintah County, Utah. The Mountain Geologist, 2, 3: 109-114.

SMITH, M.E., CAROLL, A.R., SINGER, B.S. (2008): Synoptic reconstruction of a major ancient lake system: Eocene Green River Formation, western United States. Geological Society of America Bulletin, 120: 54-84.

SURDAM, R.C., WOLFBAUER, C.A. (1975): Green River Formation, Wyoming: A Playa-Lake Complex. Geological Society of America Bulletin, 86: 335-345.

TIMPE, M. (2010): Algeninkrustierte Pflanzenfossilien aus Nordamerika und Europa - Veröffentlichungen des Museums für Naturkunde Chemnitz, 33: 5-26.

 

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